Radreise Nordfriesland und Dänemark

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Unsere dreitägige Sommer-Radtour führte uns Ende Juni 2017 in die nördlichste Region Deutschlands, in den Kreis Nordfriesland.

In Schobüll, einem Ortsteil von Husum und mit direktem Blick auf das Meer und den Nationalpark Wattenmeer, bezogen wir Quartier im ländlichen Hotel „Magisterhof“. 

Ungewöhnlich, denn den deichfreien Ausblick an der Festlandsküste Schleswig-Holsteins auf die Nordsee gibt es nur hier. Hier grenzt nämlich ein Teil der Hügellandschaft der Geest direkt an das Meer und aufgrund der höheren Lage ist ein Deich als Küstenschutz vor möglichen Sturmfluten nicht notwendig. 

Die erste Tagestour starteten wir nach einer kurzer PKW-Anreise bis zum Parkplatz am Nolde-Museum in Seebüll Richtung Dänemark. Die Nolde Stiftung ist ein Kunstmuseum und es zeigt Werke des deutschen Malers Emil Nolde (1867–1956).

Auf teils unbefestigten Feld- und Schotterwegen in der Marschlandschaft, dann wieder auf befestigten Radwegen neben den Hauptstraßen, erreichten wir nach einem kurzen Regenschauer, die Grenzregion. An den Flaggen mit dem typischen skandinavischen Kreuz, hier der Dannebrog als das sicherlich bekannteste dänische Symbol, merkten wir, das wir in Dänemark sind. In Møgeltønder fuhren wir auf der Schlossstraße mit ihrem alten Kopfsteinpflaster, den reetgedeckten Häusern und den Lindenbäumen. Sie wird als Dänemarks schönste Straße bezeichnet. Vorbei am Schloss Schackenborg, das zum dänischen Königshaus gehört, erreichten wir nach kurzer Fahrt den Marktplatz von Tondern.

Auf dem Marktplatz in Tondern wurden früher Verbrecher an den Pranger gestellt. Eine Art Mahnmal in Form einer Figur des herzoglichen Professors erinnert daran. Eine weitere Besonderheit in der Straße Østergade mit den hübsch gestalteten Häuserfassaden, ist die ALTE APOTHEKE, oder wie sie im dänischen heißt „Det Gammle Apotek“. Es war tatsächlich von 1671 bis 1989 eine ehemalige Apotheke. Heute wird hier auf einer Ladenfläche von über 1000 m² in mehr als 40 Räumen eigentlich alles angeboten, was man braucht oder auch nicht braucht: Blechreklameschilder, Kerzen und Servietten, Schals, Gemäldereproduktionen, Seifen und vieles mehr –  alles mit einem Hauch von Romantik, Nostalgie und Witz. Die eigentliche Besonderheit befindet sich in den Kellerräumen. Hier gibt es die größte ganzjährige Weihnachtsausstellung Dänemarks. Weihnachtsdekoration in allen Arten, Farben, für jeden Geschmack etwas - das hat schon was und der Besuch lohnte sich.  Nach ca. 31 gefahrenen "Rad-Kilometern“, kurzer Einkehr im Grenzkrog in Aventoft, erreichten wir zum Abschluss Kaffee am Spätnachmittag wieder das Museum.

Unsere zweite, 49 km lange Tour begannen wir vom Hotel aus entlang des Geestrückens und am Rand des Schobüller Berges (31m "Gipfel“) Richtung Nordstrand. Nordstrand hat zwar den Charakter einer Insel, ist jedoch mit dem Festland verbunden. Um die Insel vor Sturmfluten zu schützen wurde ein acht Meter hoher Schutzdeich gebaut. An einem Infostand gab Klaus Roll noch weitere interessante Informationen über Entstehung und Zerstörung der Inseln und Halligen, Eindeichung, Landgewinnung und Bewahrung des einzigartigen Wattenmeeres als Naturschutzgebiet. 7 steinerne Flaggen als Mahnmal haben nicht nur zufällig einen direkten Bezug zur Insel.  Nach den beiden „groten Mandränken“ von 1362, Untergang von Rungholt und 1634 ist die Geschichte Nordstrands und den Uthlanden geprägt vom ewigen Kampf gegen die Nordsee, den „blanken Hans“. Land und Siedlungen wurden zerstört, Tausende fanden in den Sturmfluten den Tod. Doch bis heute trotzt der Mensch den Gewalten. 1654 begann man mit dem Bau von eingedeichten Kögen, um Land zurückzugewinnen und um sich zu schützen. Heute fügt sich die Insel aus 7 Kögen zusammen. Mit Blick auf das Wattenmeer und rüber nach Eiderstedt radelten wir direkt an den Deichen entlang. Die grasenden und manchmal dösenden Schafe auf den Wegen nebst den natürlichen Hinterlassenschaften wurden meist geschickt umfahren. Auch stellten die vielen Pforten kein wirkliches Hindernis dar, denn es fand sich aus unserer Gruppe stets einer, der den Weg freimachte. Wir passierten den Fährhafen Stucklahnungshörn, einen Speichersee und machten in Norderhafen Rast. Leckere Fischbrötchen und ein Bier etc. stillten den ersten Hunger und Durst. Für kurzweilige Aufmerksamkeit sorgten unsere Frauen durch Ausgabe von Leckereien und einer eigenwilligen Mischung aus Brausepulver und "Oldesloher“.  Dafür besten Dank von der Gruppe - und weiter so. 

Wir fuhren danach am Nordostrand der Insel an den eingedeichten und Lagunenartigen Speicherbecken, wie z.B. das Arlau-Speicherbecken, vorbei. Diese Becken dienen in erster Linie der Entwässerung von 32.000 ha des Binnenlandes. Ursprünglich musste das Wasser der Arlau bei hohen Außenwasserständen am alten Arlauschöpfwerk mit hohem Energieaufwand in die Nordsee gepumpt werden. Heute kann es im freien Gefälle durch vier Siel Röhren im Holmer Siel in die Nordsee fließen. Bei Sturmfluten wird das Süßwasser im Speicherbecken aufgefangen, so dass im Hinterland keine Nutzflächen überflutet werden.

Kurze Kaffeepause noch im Hotel/Restaurant "Arlauer Schleuse“, wobei bei unseren "Scheinheiligen" zwar Kaffee, letztendlich aber der legendäre Pharisäer, angesagt war. 

Da der Wind nicht allzu stark war, steckten wir diese Tour relativ leicht weg.

Die Wettervorhersagen für unsere 3.  und 55 km lange Tour bis zur Hamburger Hallig und zurück waren nicht gerade ermutigend. Die elektronischen Medien und App‘s, wie z.B. wetter.de, Regenradar etc. verhießen nichts Gutes und wir waren drauf und dran, die geplante Tour abzusagen. Aber dann doch die Entscheidung, wir haben Regenschutzkleidung dabei und wir vertrauen dem Steinpendel der Wikinger-Wetterstation: Stein trocken = Sonne, Stein bewegt sich = Wind. Und so war es dann auch.

Auf der Hintour hatten wir überwiegend Seiten- und Rückenwind, der uns auf dem ca. 4 km langen Fährdamm inmitten der Salzwiesen des Vogel- und Naturschutzgebietes, zugutekam. Im gut besuchten Hallig-Krog stärkten wir uns und vor dem Haus hatten wir einen freien Blick auf fast alle weiteren Halligen im Wattenmeer. Der Besuch der NABU- Nationalparkstation auf dem Schafsberg lohnte, denn hier konnten verschiedene Vögel und Gänse etc. beobachtet werden und man erhielt von den Vogelschützern interessante Informationen über das Vogelzuggeschehen. Die Rückfahrt war durch den aufkommenden ablandigen Wind sehr anstrengend, sodass Pausen öfter notwendig wurden. Großes Lob hier an unsere „Nicht-E-Radler“!!

Wie an den Vortagen hatten wir uns das immer sehr gute und reichhaltige Abendessen in unserem Hotel wahrlich verdient. In launiger Runde, auch mit einem hochprozentigen Friesengeist, resümierten wir noch einmal über die Touren. Alles war gut und Klaus Roll hat wieder einmal alles gut organisiert und geführt. Dafür von 14 allen Teilnehmern ein herzliches Dankeschön.

R.Suhr

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