Radreise in die Schorfheide

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Unsere zweite, mehrtägige Radreise 2018 führte uns in den Osten Deutschlands, ins Bundesland Brandenburg und zwar in den Bereich nordöstlich von Berlin mit seinen riesigen Waldgebieten, Landwirtschafts-, Fluss- und Seenlandschaften.

Nach einer längeren Autobahnanfahrt mit den bekannt vielen Baustellen trafen wir uns am 15.8.18 um die Mittagszeit in unserem gebuchten Seehotel Schorfheide in Althüttendorf, direkt gelegen am Grimnitzsee, mit eigenem Bootssteg und einer kleinen Badestelle.

Die Schorfheide ist ein überwiegend geschlossenes Waldgebiet und erlangte eine besondere Bedeutung als Jagdgebiet. Ursprünglich für die preußischen Könige und dann später auch für die Politiker und Mächtigen der NS- und DDR-Zeit und ihrer Staatsgäste. Es wurden einige Jagdschlösser gebaut, doch nach dem Mauerfall 1989 hatte sich die politische Dominanz der Jagd erledigt und sie werden heute als Hotels, Restaurants und Tagungsstätten genutzt. 

Zur Eingewöhnung machten wir nach der Ankunft gleich mal eine 16 km Tour um den Grimnitzsee. Dabei bekamen wir schon einen kleinen Einblick von der unterschiedlichen Beschaffenheit der rustikalen Wald- und Feldwege, ausgebauter Radwege und Landesstraßen.  Es sollte uns noch einiges erwarten. Nach einem kurzen Kaffee-Stopp in Joachimsthal und Abendessen im Restaurant, unweit vom Hotel, klang dieser Tag aus. 

Schon die nächste 48 km- Tagestour am 16.8. sollte uns einiges abverlangen. Unser Ziel war zunächst der Geopark in Groß Ziethen. Vorbei an einer riesigen Sand- und Kiesabbaukuhle und dann auf langen, steinigen und sandigen Feldwegen wünschten wir uns das erste Ziel alsbald herbei. Hier wurden wir kräftig durchgeschüttelt und wir waren froh, als uns das lebensgroße Mammut „Georg“ zu einer kurzen Rast, begrüßte.  

Trotz der holprigen Feldwege war es immer wieder erstaunlich, wie unsere Frauen wohl mit geübtem Kennerblick die sporadisch am Wegesrand stehenden, alten Obstbäume fixierten und dann die eine und andere reife Pflaume und Birne, verkostet wurde. Vielleicht war ja auch ein Baum dabei, den der Preußische König Friedrich Wilhelm I. zu Beginn des 18. Jahrhunderts entlang der Wege in der Feldmark, pflanzen ließ. 

Auf dann gut zu befahrenden Landstraßen erreichten wir das ehemalige Zisterzienserkloster Chorin. Ein bedeutendes Baudenkmal der frühen Backsteingotik in Brandenburg und ein beliebtes Ausflugsziel. Überwiegend auf einem gut ausgebauten asphaltierten Radweg, durch den schattigen Wald radelten wir zurück nach Althüttendorf. Ortsmittig neben der Kirche thronen auf riesigen Findlingen die Nornen Urd (Vergangenheit), Verdandi (Gegenwart) und Skuld (Zukunft) - germanische Schicksalsgöttinnen. Interessant und sehenswert. Im urigen Café Leistenhaus am Grimnitzsee genossen wir abschließend noch ein wohl verdientes Eis.

Bevor wir am 17.8. unsere 39 km-Tour um den Werbellinsee starteten, machten wir noch halt am Kaiserbahnhof, gelegen auf der schmalen Landverbindung zwischen Werbellinsee und Grimnitzsee am Kleinen Lubowsee im Süden der Stadt Joachimsthal. Er wurde von Kaiser Wilhelm II. in Auftrag gegeben, damit die Hof- bzw. Jagdgesellschaften von den kaiserlichen Salonwagen in Kutschen umsteigen und bequem auf kurzem Wege zum Jagdhaus Hubertusstock am Rand der Schorfheide gelangen konnten.

An der Uferpromenade, gut zu befahren und stets mit Blick auf den See gelangten wir ans Südostende des Sees nach Eichhorst. Direkt an der Schleuse am Werbellinkanal, im traditionellen Fischimbiss mit vielen hausgemachten Fischspezialiäten, stärkten wir uns.

Nach der Schleuse, die von Wassersportlern selbst bedient werden muss, fuhren wir noch ca. 2 km am Kanal entlang zurück zum Werbellinsee. Dann noch ein kurzer Abstecher zum Jagdschloss Hubertusstock. Das Areal und die Gebäude waren leider nicht mehr zur öffentlichen Besichtigung freigegeben. Die Rückfahrt durch den hügeligen Streckenabschnitt, wieder mit Seeblick, war durchaus anstrengend, mussten doch auf kurzen Strecken Höhenunterschiede von über 100 Metern, überwunden werden. 

Am 18.8. radelten wir insgesamt 50 km bis nach Angermünde. Die uckermärkische Stadt liegt in einer seenreichen Endmoränenlandschaft zwischen Schorfheide und Oder. Mit 326 km² ist Angermünde eine der flächengrößten Städte Deutschlands. Vom Weltkrieg weitgehend verschont ist der historische Stadtkern mit Kirche, Kloster, Rathaus und Marktplatz fast vollständig erhalten und so sind 775 Jahre Stadtentwicklung ungebrochen erlebbar. Kurze Mittagspause beim „Inder“.  Andere Lokalitäten waren durch Hochzeits-, Einschulungsfeiern etc. geblockt. An der Skulpturen-Promenade am Mündesee vorbei, kurzer technischer Halt an einer Nabu-Station, fuhren wir dann relativ entspannt zurück ins Hotel.

Obwohl uns diese Touren, teils auf unwirtlichen Radwegen und bei hochsommerlichen Temperaturen einiges abverlangt hatten, überwiegen letztendlich doch die positiven Eindrücke. Diese 153 km-Tour bescherte unserer 9-köpfigen Radgruppe viele neue Eindrücke inmitten dieser schönen Wald- und Seenlandschaft. Alles war - wie immer - von Klaus Petroff gut organisiert und geleitet. Dafür besten Dank.

Rainer Suhr

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