Radreise Ammerland

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Unsere erste mehrtägige Radreise im Mai führte uns in den Westen Norddeutschlands und zwar ins westlich von Bremen gelegene Ammerland (lt. Wikipedia abgeleitet von Ameri + Land = indogermanisch: Sumpfland). Unterkunft bezogen wir in dem schönen und gut geleiteten Hotel Rosmarin in Bad Zwischenahn.

Von diesem Quartier aus unternahmen wir 4 Tagestouren durch die flache Marsch-, Geest- und Moorlandschaft rund um das Zwischenahner Meer, die Perle des Ammerlandes.

Beeindruckt waren wir gleich bei unserer 35-km-Sonntagstour in die Kreisstadt Westerstede von den vielen Baumschulen mit z.B. exotisch anmutenden Formgehölzen und der vielfarbigen Pracht der Rhododendrenpflanzen. Nette und immer gesprächsbereite Ammerländer trafen wir dann bei unserer abendlichen Einkehr ins Restaurant „Spieker“ (Ammerländer Bauernhaus), gelegen mitten in einem Freilichtmuseum und umgeben von traditionellen Häusern der Vergangenheit. Angeboten wird neben ländlicher Kost auch eine Spezialität, nämlich der Ammerländer Smoortaal und dazu der (Zinn-)Löffeltrunk mit dem traditionellen Trinkspruch: 

Ik seh Di - Dat freit mi - Ik sup Di to - Dat do - Prost - Ik heb Di tosopen - Hest den Rechten dropen - So hebt wi dat immer doh'n - So schall dat ok wieter goh'n.

Übersetzung:

Ich sehe Dich - Das freut mich - Ich trinke Dir zu (oder: Ich stoße mit Dir an) - Tu das - Prost - Ich habe Dir zugetrunken (bzw. mit Dir angestoßen) - Du hast den Richtigen getroffen - So haben wir das immer getan - So soll das auch weitergehen.

Das war schon ein beeindruckender Tagesabschluß. 

Die folgende Tagestour am Montag war hauptsächlich geprägt durch den Anblick und Besuch der vielen Park- und Gartenanlagen der Umgebung. Auf landschaftstypischen, mit Klinkersteinen gepflasterten Straßen - wir wurden gut durchgerüttelt - und durch Eichenalleen, wie sie wohl vor 100 und mehr Jahren angelegt wurden, radelten wir in den Residenzort Rastede. Ein Besuch des Rhododendronparks in Gristede stand auch auf dem Plan. Inmitten des Parks mit großen Kiefern präsentieren sich wohl mehr als 1000 verschiedene Arten und Sorten dieser Pflanzenart, ausgestattet mit prächtigen Blüten, Farben und Formen.  Die schön angelegte Teichanlage mit vielen quakenden Fröschen lud uns auch noch zu einer kurzen Rast ein.  

Die ca. 40 km lange Dienstagstour führte uns in die Moore des Ammerlandes. Teils auf gut radelbaren Wegstrecken um den Ort Petersfehn mussten aber auch Feuchtgebiete durchquert werden. Mehrere Pfützen waren zwar lästig, stellten für uns aber kein großes Hindernis dar. Nur die Räder sahen danach entsprechend schmutzig aus. Das eine oder andere Torfstecher Feld mit vielen langen Reihen aus gestapelten Torfsoden war am Wegesrand zu sehen. Entschädigt wurden wir dann durch einen längeren, gut zu befahrenden Abschnitt am Küstenkanal.  Der Kanal entstand 1922-35 durch den Ausbau eines typischen Moorkanals, mitten durch das Torfabbaugebiet.  

Am Mittwoch war die über 40 km lange Mühlentour angesagt. 

Waren zur Blütezeit der Mühlen an der Wende zum 20. Jahrhundert noch 47 Wind- und Wassermühlen in Betrieb und prägten das Landschaftsbild, so führte der zunehmende Einsatz von Dampf- und elektrischer Energie insbesondere nach 1945 zu einem „Mühlensterben“.  

Die verbliebenen Mühlen werden jetzt unter großem Einsatz öffentlicher und privater Gelder sowie dem Engagement ehrenamtlicher Träger restauriert und erhalten. Sie gehören einfach zur Landschaft. Wir besuchten eine besondere, mehrfach zerstörte und wieder aufgebaute Wassermühle in Ocholt-Howiek. 1608 als Getreidemühle mit unterschlächtigem Wasserrad von schlauen Bauern an der Ollenbäke erbaut und über 300 Jahre als Getreidemühle in Betrieb. 

Auf gut zu befahrenden Radwegen und zuletzt mit Blick auf das Zwischenahner Meer ging‘s zurück in unser Quartier. Zum gemeinsamen Abendessen kehrten wir den „Lön‘s Krug“ ein.

Bei einem ländlich rustikalen Buffet und einem guten Bier ließen wir die vergangenen Tage und Erlebnisse noch einmal „Revue passieren“.   

Klaus hat wieder einmal eine großartige, ca.180 km lange Tour ausgearbeitet und geleitet. Dafür von allen 16 Teilnehmern ein herzliches Dankeschön. Wie er es aber mit dem Wetter immer hinkriegt bleibt wohl sein Geheimnis. 

Rainer Suhr

 

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