Hamburger GeLH´er besuchen das Elsass

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Sonntag, 1. Okt. - Die Anreise

Eine 850 Km lange Anfahrt auf deutschen Autobahnen an einem Tag ist eigentlich eine Zumutung. Selbst unser bewährter Fahrer, Karl Heinz, musste da passen und ließ sich von Norderstedt bis zur Raststätte Brunautal durch einen Kollegen vertreten. Obwohl sich die Staus in Grenzen hielten, wurde das Ziel Colmar erst kurz nach 19 Uhr erreicht. Sekt, Wein und Bier hielten neben dem traditionellen 3-Gang- Menü die Stimmung aufrecht. Die Zeit reichte gerade noch zum Händewaschen, dann wurde das erste Abendessen serviert. 
Gespannt testen wir elsässisches Bier und Wein und konnten sofort ein Lob aussprechen. 
Dem Speisesaal fehlte allerdings etwas Gemütlichkeit. Er leerte sich nach dem Dessert auch schnell, da das Programm am nächsten Tag frühes Aufstehen erforderte und die Koffer ja noch ausgepackt werden mussten.

Montag, 2. Okt. - Colmar

Laut Prospekt hat unser Hotel L’Europe vier Sterne. Der „Morgenstern“ (Frühstück) hatte
allerdings einen etwas blassen Schimmer, der erst nach drei Tagen und deutlichem Hinweis durch unseren Fahrer aufgehellt wurde. Das ansonsten gute Haus mit schönem Indoor-Pool liegt ca. 5 Km von der City entfernt im Vorort Wihr, was abendliche Spaziergänge in der sehenswerten Altstadt verhinderte. 
Die Stadt, eine der schönsten in Frankreich, hat ein Parkplatzproblem mit Reisebussen. 
Sie dürfen auch nicht überall fahren. Zwei Stadtführerinnen empfingen uns auf einem etwas abseits gelegenen Platz. In zwei Gruppen wurden wir fast drei Stunden durch die Stadt geführt. Selbst die anschließende Freizeit reichte nicht aus, um alle Sehenswürdigkeiten zu bewundern, sodass sich der programmfreie Mittwoch für einen zweiten Besuch anbot. 
Colmar wurde bereits im 9. Jahrhundert von Kaiser Ludwig dem Frommen, einem Sohn Karls des Großen, in den Annalen erwähnt. Die wechselvolle Geschichte zu erzählen, sprengt auch hier die Kapazität des „Seniors“. Voltaire, der dort dreizehn Monate gelebt hat, bezeichnet sie als halb Deutsch, halb Französisch. Das Deutsche schwächelt derzeit trotz der nahen Grenze ein wenig, zumindest was die Verständigung betrifft. 
Beim Gang durch die Stadt wurden nicht nur prachtvolle Fachwerkhäuser, sondern auch einige Denkmäler und Bronzeskulpturen bewundert. Stadtführerinnen pflegen im Verlauf so einer Wanderung die Aufmerksamkeit ihrer Gäste zu testen, indem sie irgendwann nach dem zuvor mehrfach erwähnten Namen eines Künstlers fragen und damit betretenes Schweigen auslösen. Nicht so in Colmar. MitFrederic Auguste Bartholdi (1834-1904) lag man immer richtig. Sein berühmtestes Werk ist die Freiheitsstatue in New York. In Colmar als kleinere Ausführung zwischen zwei Hauptstraßen zu sehen. 
Der Nachmittag war dem hochgelobten Museum „Unterlinden“ gewidmet. Prunkstück ist der „Isenheimer Altar“. Trotz großer, manchmal verwirrender Vielfalt in dem verzweigten Gebäude wurde es nicht von allen als Top-Ereignis empfunden. Bei der sogenannten „Modernen Kunst“ halfen auch die Erklärungen über Kopfhörer nicht immer. 
Trotzdem waren wir uns einig: es war ein erlebnisreicher Starttag bei bestem Wetter. 
Erwähnt sei hier noch ausdrücklich, dass für diese Fahrt durch Reiseleiter Hans per Anweisung, der Petrus durch Manfred Gehrke ersetzt wurde. Wie sich herausstellen sollte, eine ausnahmsweise richtige Entscheidung.

Dienstag, 3. Okt. - Ausflug in die Welt des Weines

Wir treffen unsere Reiseführerin, Michèle, die uns jetzt vier Tage begleiten wird.Heute erwartet uns eine ganztägige Rundfahrt entlang der 170 Km langen elsässischen Weinstraße. 
Vor der Abfahrt erklingt zu Ehren des Geburtstagskindes Susi, zwar nicht die Nationalhymne 
(Tag der Einheit), sondern das wunderbare Lied vom „Happy Birthday“ mit anschließendem „Hochleben“. Leider war die Weinlese schon überall beendet. Früher als bisher, wie in vielen Weinbaugebieten. Die Klimawandlung lässt grüßen. Die sonst leuchtenden Reben gären bereits in Edelstahl- oder Eichenfässern. Auch hatten Kirschessigfliege und Fäule den Ertrag geschmälert. Die Qualität von den Steilhängen, wo nicht mit Maschinen sondern per Hand gelesen wird, wird aber als besonders gut bezeichnet. 
Vor der Weinprobe im Weingut Rentz statten wir dem Städtchen Kaysersberg, dem Geburtsort von Albert Schweitzer, einen Besuch ab. Der Ort am Flüsschen „Weiss“ mit hübschen Fachwerkhäusern, noch besetzten Storchennestern und einem Soldaten-Ehrenfriedhof lädt zu einem ausgiebigen Spaziergang und, falls erforderlich, einem Mittagsimbiss ein. Störche sind übrigens das Wappentier der Elsässer und in jedem Souvenirgeschäft massenweise in den verschiedensten Ausführungen anzutreffen. 
Mit der nötigen Grundlage und noch einem Abstecher zum ebenfalls sehenswerten Riquewihr ging`s dann gespannt zum Weingut. Dort wurden vier Erzeugnisse und ein Stückchen „Gugelhupf“ angeboten. Der war so gut, dass unser Hans ein paar Tage später zwei solcher Dinger für die Rückreise besorgte. Toller Einfall, der nur dem Servicemann beim Zerlegen in 42 Stücke Probleme bereitete. Es blieb im wahrsten Sinne kein Krümel übrig. Bei den Weinproben hingegen waren die Meinungen geteilt. Obwohl sich unter ihnen auch der berühmte Elsässer Sekt, „Crèmant“ befand, konnte - nicht allein den Berichterstatter - nur ein Gewürztraminer vom Jahrgang 2014 wirklich überzeugen. Letztendlich ist das natürlich subjektiv, und die Geschmäcker sind eben verschieden, was einige Einkäufe bestätigten. Beschwingt treten wir die Heimreise an.

Mittwoch, 4. Okt. - Ein freier Tag

Zwar war jedem die Gestaltung selbst überlassen, aber alle nutzten ihn zu einem 2. Besuch der City Colmar. Eine 14-köpfige Gruppe brachte den Busfahrer vom Colmarer „HVV“ in Verlegenheit, weil er nur knapp mit Einzelfahrscheinen ausgerüstet war und uns dringend empfahl doch bitte Gruppenkarten im Tourist Center zu kaufen. Jedenfalls sorgten wir für eine deftige Verspätung und fuhren preiswert in die City. Dort trennte man sich, und stürzte sich in das quirlige Altstadtleben. Einige lockte eine halbstündige Bootsfahrt auf dem kleinen Flüsschen „Lauch“, das Colmar durchschlängelt. Klein Venedig heißt dieser Bezirk und er macht seinem Namen alle Ehre. Beim Passieren von Brücken war man ständig Fotoattacken ausgesetzt; selbst von der eigenen Mannschaft. 
So eine Bootsfahrt macht Appetit. Es wurde beschlossen, endlich den berühmten Elsässer Flammkuchen zu probieren. Das erste angesteuerte Lokal verwies uns wenig gastfreundlich wegen der anstehenden Mittagspause zum Nachbarrestaurant. Das erwies sich sogar als Vorteil. Allen schmeckte die in verschiedenen Ausführungen servierte Spezialität hervorragend. Und sogar der “Pinot gris“ war lobenswert. 
So ein Flammkuchen besteht nicht nur aus Teig mit leckerem Belag, sondern auch aus vielen Kalorien. Das Ergebnis waren einige nicht geleerte Teller beim Abendessen. Da hatte auch nicht das vorher absolvierte Schwimmtraining im Hotelpool geholfen.

Donnerstag, 5. Okt. - Mont St. Odile und Straßburg

Nach Verlassen der Autobahn und einer kurvenreichen Auffahrt erreichen wir schon früh 
Mont St. Odile, ein 763 hohes Felsmassiv auf dem die wunderschöne Klosteranlage thront 
Man könnte sie fast für eine Ritterburg halten, aber es fehlen Bergfried, Türme und Zinnen. 
Faszinierend der Fernblick auf die Vogesen und das Rheintal. Beinahe interessanter als das eigentliche Kloster, in dem die Geschichte der Heiligen Odile, der Schutzpatronin des Elsass, dargestellt wird, sind die zwei kleinen Außenkapellen, die beide im Innern mit Mosaikbildern im byzantinischen Stil geschmückt sind. 
Draußen wehte uns ein kräftiger Wind um die Nase, der das geplante Mittagessen am Bus 
scheitern ließ, weil uns Würstchen, Brot und Senf bzw. die Suppe um die Ohren geflogen wären. Es wurde ein paar hundert Meter tiefer angerichtet und zeichnete sich dadurch aus, dass der wg. der Weinprobe auf heute verlegte Geburtstagsumtrunk von Susi stattfand. 
Danach ging es weiter nach Straßburg. Wir lernten die Stadt mit Michèles Hilfe zunächst auf einer Rundfahrt an der Peripherie kennen und anschließend zu Fuß den historischen Kern mit verwinkelten Altstadtgassen und dem berühmten Münster, einer gotischen Kathedrale deren Grundstein vor 1000 Jahren gelegt wurde. Ein Hauptanziehungspunkt ist die astronomische Uhr mit exaktem Kalender und einer Figurenparade im 15-Min. Abstand. 
Die Besichtigung erfolgte ohne unsere Michèle. Angeblich duldet ihr Bischof das Betreten evangelischer Gotteshäuser nicht. Sie erklärte uns noch den Weg zum Bus und verschwand. 
Den 1,5 Km langen Rückmarsch schafften wir ohne Verluste auch alleine. 
Die Rückfahrt nach Colmar allerdings endete kurz vor der Stadt in einem dicken Stau, der zu 
einer Verschiebung des Abendessens zwang und auch eine vorherige Erfrischung im Pool nach diesem doch recht anstrengendem Tag nicht gestattete.

Freitag, 6. Okt. - Haut Koenigsburg, Ribeauvillè und Eguisheim

Michèle ist wieder da. Und Karl Heinz hat Geburtstag. Wir überreichen unserem Fahrer ein wertvolles Geschenk (Krawatte). Diese war vor zwei Tagen unter schwierigen Umständen von gleich fünf erfahrenen Damen unserer Truppe ausgesucht worden und fand großen Anklang. Die folgende Gesangsdarbietung ist bekannt und wird trotzdem später mit einem Umtrunk belohnt. Erneut rollen wir über schön angelegte Waldstraßen einen Berg hinauf. In 757m Höhe erwartet uns die Burg Haut Koenigsburg. Gebaut im Mittelalter wurde sie als Ruine, während der deutschen Zeit im Elsass, Kaiser Wilhelm II. von der Stadt Selestat geschenkt. Ob er sich darüber nun sonderlich gefreut hat ist nicht überliefert. Auf jeden Fall – Geld war bei Hohenzollerns ja ausreichend vorhanden – beschloss er, sie in alter Schönheit wieder aufzubauen. Authentisch! Das allerdings ist unter Experten umstritten. Eindeutig nicht authentisch sind jedenfalls die Örtchen, die man heute als WC bezeichnet. Die waren damals als „Freifall-Kabäuschen“ an der Außenmauer angebracht. Ohne Heizung, fließend Wasser und Zeitungsblatt! Das Ergebnis (beim Bau) kann sich sehen lassen. Alles wurde aufwendig rekonstruiert. Mit besonderen Gemächern im Bergfried für den Kaiser. Auch uns hat diese Sehenswürdigkeit fasziniert. Je nach Veranlagung konnte man sich bei dem Rundgang entweder das kaiserliche Hofleben Anfang des 20. Jahrhundert oder prunkvolles Leben im Mittelalter mit edlen Rittern, schönen Burgfräuleins und Minnesängern vorstellen. Wir beenden den Burgbesuch, fahren wieder auf die schon bekannte Weinstraße, und besuchen Ribeauvillè, ein von drei Burgruinen überragtes Städtchen, das zu den schönsten in den umliegenden Weinbergen zählt. Es fing auch gleich gut an. Eingangs der Hauptstraße bot uns ein geschäftstüchtiger Händler seine leckeren Kokosmakronen zum Probieren an. Wir schlendern durch das quirlige Zentrum und trennen uns für die fällige Kaffeepause. Bei 42 Leutchen hätte jedes Restaurant passen müssen. Eine kleine Truppe hatte besonderes Glück: Barbara spendierte einen Irish Coffee. Beschwingt machen wir uns auf den Rückweg und … bleiben am Kokosstand hängen. Hocherfreut über den Andrang reduziert der Inhaber sogar seine Preise. Vor der Rückfahrt nach Colmar statten wir noch dem Städtchen Eguisheim einen Besuch ab. Dieser Ort präsentiert sich mit einer Besonderheit. Häuser und Gassen sind in drei konzentrischen Ringen um den Mittelpunkt, einem mittelalterlichen Chàteau, angeordnet. Wir wandern durch einen Teil des äußeren Rings, und sind von den winzigen, windschiefen Häuschen begeistert. Genug für heute. Michèle schlägt für morgen, dem letzten Elsass-Tag, eine Rundfahrt durch die Vogesen vor. Die ursprünglich vorgesehene Wanderung durch die Weinberge wäre ohne die sonst leuchtenden Reben sicher nicht optimal gewesen und auch nicht für alle geeignet.

Samstag, 7. Okt. - Vogesenrundfahrt

Michèles Idee war großartig. Wir rollen nach einem kurzen Abstecher in Munster gemächlich durch dieCol de la Schlucht, die an eine Schwarzwaldlandschaft erinnert, bis zur Passhöhe (1139m), dann an malerisch gelegenen Seen vorbei bis Geradmer. Die Stadt - bekannt für Bettwäsche -  liegt ebenfalls an einem wunderschönen See. Dort nutzte jeder die Mittagspause zu einer kleinen Wanderung, einem Imbiss oder für Einkäufe.  
Weiter ging es zunächst wieder ein Stück zurück bis fast auf die Passhöhe, dann aber über die Vogesenkammstraße, (Route de Crètes) auf der die Kameras im Dauereinsatz waren. Eine fantastische Panoramastraße auf durchgehend über 1000 Meter, kurvenreich und ohne Leitplanken.  
Am Grand Ballon, einer Radarstation, wurde eine Kaffeepause eingelegt. Ein paar konditionsstarke Männer bezwangen auch noch die letzten 100 Höhenmeter bis zu einem Denkmal vom 1. Weltkrieg. Zunächst kurvenreich bis hinab ins Tal und dann über die Autobahn gelangen wir wieder zum Hotel. Dort warten leere Koffer darauf wieder gepackt zu werden. Leider. Die sechs Tage sind viel zu schnell vergangen. Wir verabschieden uns von Michèle. Seit 25 Jahren arbeitet sie als Reiseführerin. Mit großem Wissen, und guten Tipps hat sie uns ihr Land vorgestellt. Ihre manchmal etwas forsche Art und ein paar -durchaus angebrachte- Ordnungsrufe, hat man ihr gerne verziehen. 
Das traditionelle Abschiedsessen wartet auf uns. Im Restaurant „Meistermann“ in der Colmarer Altstadt werden wir mit leichten Anlaufschwierigkeiten empfangen und im Speisesaal war ein Stühlerücken erforderlich. Von dem angesagten elsässischen 3-Gang Menü fand das Dessert den größten Anklang und der „Pinot gris“ war sogar ausgezeichnet.

Sonntag, 8. Okt. - Die Rückfahrt

schenken wir uns am besten. Erstens war sie lang und zweitens durch einige Staus belastet. 
Das führte sogar dazu, dass Karl Heinz am ZOB in Hamburg gezwungen war sich wg. drohender Zeitüberschreitung ablösen zu lassen. Wie gewohnt, hat er uns sicher und umsichtig 2330 Km gefahren (630 davon im Elsass) und uns geduldig ertragen. Dafür und die Unterstützung durch seine Marlene bedanken wir uns mit dem üblichen Umschlag und einem zweiten, gut gefüllt mit dem Umsatz von Getränken und Verpflegung. 
Bereits am Freitagabend hatte Horst Golob sich im Namen der Gruppe bei Reiseleitung und Service mit einer fest verschlossenen Spardose bedankt und dabei ausdrücklich Anne und Dörte eingeschlossen, weil die möglicherweise nicht immer die sonst von ihren Ehemännern gewohnte Aufmerksamkeit erhalten haben. Seinen Worten möchte ich hier noch hinzufügen, dass es unserer Gemeinschaft immer wieder gelingt nette und harmonische Gruppen auf die Reise zu schicken.

Auch diesmal - Danke und Tschüss bis zum nächsten Mal.

Klaus O. Heuer


 

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