Besuch unter Tage

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Am 08. Mai 2017 sind wir in zwei Gruppen in Hamburgs Unterwelt eingetaucht.

Unweit des Verkehrsknotenpunktes Berliner Tor - unter einer Wiese versteckt und für nicht kundige Passanten kaum auszumachen - befindet sich der Tiefbunker am Berliner-Tor-Damm. Dieser Bunker wurde im Jahre 1940 aufgrund der an Umfang und Stärke zunehmenden Bombenangriffe errichtet.

Das sehr massive kreisrunde Bauwerk (Durchmesser 20 m mit 2 m dicken Betonwänden) liegt nur einen Meter unterhalb der Erdoberfläche und reicht drei Etagen (10,5 m) tief in den Hamburger Untergrund. Er gehört zu den wenigen Bauwerken dieser Art, welche komplett unterirdisch angelegt wurden und als bombensicher galten. Seinerzeit sollten hier 600 Personen Schutz finden. Die Bombensicherheit sollte sich in der Feuersturm-Nacht vom 27. auf den 28. Juli 1943 bewahrheiten. Ca. 800 Menschen überlebten in ihm den großen Luftangriff auf die südöstlichen Stadtteile Hamburgs.

Anfang der 60iger Jahre wurde der Bunker im Zuge der Neuorganisation des Zivilschutzes Westdeutschlands zu einem sogenannten Schutzbauwerk umgebaut, welches 450 Personen vor den Auswirkungen eines atomaren Schlagabtausches zwischen der NATO und den Staaten des Warschauer Abkommens schützen sollte.

Heute befindet sich diese Anlage in der Zivilschutzbindung. Sie ist aufgrund der veränderten politischen Situation Europas, dessen Bedrohungslage und der Weiterentwicklung der Waffentechnik „nur noch“ ein Zeugnis der jüngeren Geschichte der Stadt Hamburg.

Der Verein „unter Hamburg e.V.“ konnte den Bunker anmieten, erhält diesen als ein Zeitzeuge der Hamburger Geschichte und bietet geführte Besichtigungen an.

Unser Guide von „unter Hamburg e.V.“ konnte uns während des Rundgangs in dem Tiefbunker die Geschichte und Bedeutung des Bunkers ausführlich darstellen und die technischen Gegebenheiten ausführlich erläutern.

Nach ca. 2 Stunden in diesem beeindruckenden, aber auch beklemmenden Bauwerk sind wir durchgefroren wieder ans Tageslicht gekommen in der Hoffnung, dass solche Schutzbauwerke nie wieder benötigt werden.

Karl-Ludwig Bolewski

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