Besuch der Hafen Lotsenstation in Hamburg

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Mit zwei Gruppen machten wir einen Besuch bei den seit 1858 im Hamburger Hafen im Einsatz befindlichen Hafenlotsen.

Seit 1981 wurde mit einem Beschluss der Hamburger Bürgerschaft die Hafenlotsenbrüderschaft Hamburg gegründet. Die Lotsen organisieren ihre Arbeitseinsätze nach einer sogenannten Börtordnung als Freiberufler selbst. Anhand der Börtordnung werden die Schiffe dann Tag und Nacht mit Lotsen besetzt. Lotsenpflichtig sind Seeschiffe mit einer Länge von 90 Metern oder einer Breite von mehr als 13 Metern, sowie alle Tanker. Die Lotsenbrüderschaft besteht aus 71 Lotsen die als schifffahrtskundige Berater die Kapitäne der Schiffe fachlich mit den nautischen Begebenheiten der Elbe und des Hafens beraten. Außerdem übernehmen die Lotsen den Funkverkehr und den Einsatz der Schlepper. Die Verantwortung bleibt aber beim jeweiligen Kapitän des Schiffes.

Am Lotsenhaus in Finkenwerder trafen wir uns mit dem langjährigen Schiffskapitän und Lotsen im Ruhestand, Karlheinz Römer, zu einer sehr interessanten Führung.

Das Finkenwerder - Lotsenhaus, ein eindrucksvolles Denkmal liegt im Westen des Hafens. Es wurde 1914 als Klinkerbau vom bekannten Hamburger Baudirektor Fritz Schumacher erbaut und bildet die Einfahrt in den Hamburger Hafen. Im Turm befindet sich, für die Schiffe gut sichtbar, eine Uhr und eine große Pegelstandanzeige mit den Buchstaben F – für Flut und E – für Ebbe, dazu dann in Zahlen die derzeitige Wasserstandsanzeige. In Hamburg haben wir Seekartennull im Hafen bei 1,90 Metern unter Normalnull. Der normale Tidenhub im Hafen beträgt 3,6 Meter.

Das alte Lotsengebäude wurde inzwischen erweitert und den heutigen Bedürfnissen der Lotsen angepasst, in einem Nebengebäude befindet sich nun die nautische Zentrale.

Nach einer Begrüßung und der Geschichte zum Gebäude und der Lotsenbrüderschaft konnte uns live am Objekt, vor dem Gebäude, die Arbeit der Lotsen erklärt werden. In Sichtweite, vor dem Airbusgelände, lag das Containerschiff „YM Wellness“, ein Schiff (368 m lang, 51 m breit) mit 13.800 Containern und einer Tragfähigkeit von DWT 145.557 t auf Reede. An dem dortigen Schiff, das mit Schleppern zum Auslaufen in die Fahrrinne der Elbe verbracht wurde, bekamen wir dann alle betriebsnotwendigen Abläufe des Verbringens eingehend, aus der Sicht eines Lotsen erklärt.

Als nächstes ging es in das Lotsenhaus in einen Konferenzraum. Hier erfuhren wir den Navigationsablauf eines Schiffes von der Nordsee bis zum Anlegen im Hamburger Hafen.

Erklärt wurde uns die Navigation unter Beachtung des Tidenhubes, der Gezeitenströme und der Navigationsflächen. Auch wurden die derzeitigen Navigationshilfen wie das Radarsystem auf der Elbe erklärt. GPS ist derzeit aus Kostengründen noch nicht im Einsatz.

Weiter ging es mit vielen Fragen unsererseits und dazu mit vielen interessanten, fachlichen Erklärungen zur Elbe, dem Hafen und seinen Schiffen, der Elbvertiefung, der Emission und dem Tiefgang der Schiffe.

Anschließen konnten wir die computergestützte Navigation die elektronischen Seekarten mit den Schiffsdetails und Kennungen sowie den Kontrollstand der Lotsenstation besichtigen.

Nun wissen wir, die Hafenlotsen sind das Bindeglied zwischen Seemannschaft und Schiffstechnik, zwischen Schiff und Land, zwischen allen im Hafenverkehr beteiligten Menschen.

Vielen Dank an Hans für den sehr interessanten Stadtgang.

G. Bloehs

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