Advent in Warnemünde / Rostock vom 07. - 11. Dez. 2017

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Am frühen Donnerstagmorgen starteten 38 Mitglieder zur Adventsfahrt unter der Stabführung von Hans Bibow mit seinem "Co", Klaus Heuer, und Karl-Heinz, unserem bewährten Fahrer, seine Frau, Marlene, war auch von der Partie, Richtung Warnemünde. Dies war bereits die 8. Adventsfahrt und kann damit schon als Tradition angesehen werden. Die bisherigen Ziele: Dresden, Annaberg/Erzgebirge, Weimar, Goslar, Leipzig, Bamberg und mit dem Schiff von Köln nach Frankfurt.

Da die bisherigen Fahrten auch interessante Ziele in der jeweiligen Nachbarschaft enthielten, waren an diesem Donnerstag ebenfalls Unterbrechungen geplant.

Zunächst gab es eine kleine Unterbrechung in Schwerin, um das imposante Schloss beim Fotostopp zu sehen. Auf der Weiterfahrt mit Ziel Güstrow auf schmalen Straßen durch die abwechslungsreiche mecklenburgische Wald-und Wiesenlandschaft stiegen die Erwartungen auf die dortige Stadtführung. Der Weg durch den Schlosshof des größten erhaltenen Renaissanceschlosses Mecklenburgs führte in die Altstadt, ehemalige Residenzstadt, die Ende des 19. Jh. den ironisch gemeinten Beinamen "Klein Paris" erhielt, weil sie als gesellschaftlicher Mittelpunkt Mecklenburgs galt. Ernst Barlach und sein Schaffen erneuerte im 20. Jh. das Interesse an der Stadt.

Unser Weg führte uns zunächst in den Dom, den ältesten Backsteinbau hier aus dem 13. Jh. ausgestattet mit sehenswertem Flügelaltar, Taufbecken, aber natürlich und besonders mit "Der Schwebende", Barlachs bekannteste Plastik mit den Zügen von Käthe Kollwitz. Er wurde geschaffen für die Gefallenen des 1. Weltkriegs. Die heutige Bronzefigur ist der 2. Abguss eines Originalabgusses. Das Denkmal wurde zunächst in den 30iger Jahren als "Entartete Kunst" dargestellt und später eingeschmolzen. Erst 1953 wurde die heutige Skulptur geweiht. Drei beachtenswerte Wandgräber von namhaften Künstlern ihrer Zeit zierten die Wände großflächig: ein Barock-grabmal für Günther von Passow, zwei Renaissancegräber für Herzog Ulrich und seine zwei Gemahlinnen sowie für den Fürsten Heinrich Borwin.

Den Markt mit dem Rathaus, der Marienkirche, alten Bürgerhäusern, dazu Anmerkungen und Anekdoten der Führung ergänzten unsere Kenntnisse. Es blieb noch die Gertruden Kapelle / Barlachgedenkstätte zu besuchen. Hier betrachteten wir einige der bedeutendsten Werke Barlachs, die einen guten Überblick über sein Schaffen boten." Die Kunst Barlachs schenkt nicht genussreiche Betrachtung, sondern sie trifft ins Herz" schrieb Lea Grundig.- eine Schriftstellerin...

In Warnemünde erwartete uns ein Hotel mit gemütlichen Zimmern und gutem Essen.

Am Freitag stand Warnemünde auf dem Programm, es begann mit einem Spaziergang entlang der Promenade dem alten Leuchtturm (Wahrzeichen der Stadt von 1898 mit der Höhe 37m) entgegen. Vorher passierten wir elegante Villen aus der Zeit der Jahrhundertwende. Auch Ernst Heinkel besaß hier ansehnliche Häuser und Büros für seine Konstrukteure. Sowohl das 5***** Hotel "Neptun" als auch das "Teepott" genannte Restaurant mit dem geschwungenen Dach kamen in Sicht. Beim Eintauchen in die Altstadt war der Wandel vom Fischerdorf zum beliebten Badeort gut zu erkennen. Die Alexandrinenstraße liegt parallel zum Alten Strom, und dort reihte sich ein ehemaliges Fischerhaus an das nächste, alle giebelständig, viele mit einem "Glaskasten" davor als Vergrößerung der Wohnfläche. Zum Schmunzeln gab es Anlass, als die Führerin die Abstände der Häuser, die "Tüschen“ erklärte. Es wird gesagt, die Breite musste so bemessen sein, dass eine trächtige Kuh, eine Fischkiste quer oder ein Sarg passieren konnten, alles richtig und doch falsch. Ehemals waren die Häuser mit Reet gedeckt, die Dächer durften sich nicht berühren, um Fäulnis zu verhindern. Weitere Besonderheiten gab es zu bestaunen, in einem Haus hatte der Dichter Joachim Ringelnatz, in einem anderen der Maler Edvard Munch gelebt. Ein beachtenswerter Brunnen mit dem "Warnemünder Umlauf" zeigte 19 Bronzefiguren festlich gekleideter Honoratioren gemeinsam mit einem Brautpaar, die 1x jährlich durch die Straßen zogen und noch immer ziehen.

Der Weihnachtsmarkt an der Kirche zog uns magisch an, denn mit einem Glühwein oder Punsch erwachten an diesem feuchtkühlen Tag die Lebensgeister und gaben neuen Schwung für weitere Unternehmungen. So z.B. für die Besichtigung der Neugotischen Kirche, in der es einen gotischen Schnitzaltar, eine Renaissance-Kanzel und einen imposanten Christophorus zu bewundern gab, die jeweils aus Vorgängerkapellen stammten. Von den Führern in höchsten Tönen gelobt: die Aussicht aus dem Café des Neptunhotels in der obersten Etage, also nichts wie hin, es lohnte sich...Das besondere Abendessen fand in einem maritimen Restaurant in Rostock statt.

Am Samstag stand Rostock auf dem Programm, wo wir mit einer großen Rundfahrt die Stadt von außen nach innen erkundeten, alle waren von dem Gesehenen beeindruckt. Die Wanderung durch die Innenstadt startete am Neuen Markt mit dem Rathaus aus dem 14./15.Jh., wobei die Sicht auf die gotische Fassade z.T. durch einen barocken Vorbau verdeckt wurde. Wegen der Bedeutung Rostocks, das in der Hanse eine wichtige Bedeutung hatte und hinter Hamburg und Bremen bis in die Mitte des 19.Jh die drittgrößte Segelschiff-Flotte besaß. Im 2. Weltkrieg wurde die Stadt Ziel schwerer Bombenangriffe auch wegen der Heinkel-Flugzeugwerke, dabei fielen wertvolle historische Gebäude zum Opfer. Beim Wiederaufbau boten überlieferten Bilderrollen vom alten Rostock aus dem 16.Jh. gute Hilfe für die Restauratoren. Kurz vor 12Uhr gab es kein Halten, die Marienkirche sollte rechtzeitig erreicht werden, um den Apostelumgang um 12Uhr zu erleben. Da das geschnitzte Kalendarium aus der Zeit um 1530 nur bis 2017 reichte, war es, um ein neues einzusetzen, ausgebaut. Die Führung setzte sich fort in der Altstadt, die nach alten Darstellungen erfolgreich wiedererrichtet worden war, entlang der Kröpeliner Straße mit den originalgetreuen Fassaden zum Universitätsplatz. Umgeben von imposanten Gebäuden und hübschen Brunnen kamen wir bei der Universität an. Sie wurde als erste in Nordeuropa im Jahre 1419 gegründet Ihre Ausstrahlungen nach Skandinavien und ins Baltikum als Zentrum des Humanismus brachten ihr den Beinamen "Leuchte des Nordens" ein. Während des Nachmittags - zur freien Verfügung - gab es neben Glühwein und Punsch weitere Gelegenheiten in die Weihnachtsmärkte einzutauchen.

Am Sonntag brachen wir nach Stralsund auf. Wir erreichten auf der A20 auch die komplett gesperrte Strecke, an der die A20 in Richtung Lübeck eingebrochen war. Direkt am Hafen wurden wir maritim von der "Gorch Fock 1", einem Schwesterschiff des Bundesmarine Schulschiffes, empfangen, die nach einer bewegten Vergangenheit nun dort besichtigt werden kann. Bei der Führung gingen wir entlang der schmalen Gässchen, bewunderten gut restaurierte Bürgerhäuser, z.B. das Wulflamhaus aus der Mitte des 14.Jh. und eine ebenso alte Kneipe in der Nähe, die auch gern von prominenten Gästen besucht wird. Wir wanderten am Kniep Tor, dem Theater, am Knieperteich entlang, wo gerade eine Weihnachtsspaßregatta ausgetragen wurde, nun in Richtung Alter Markt, umgeben von Häusern aus verschiedenen Stilepochen, die alle überragt wurden von der wuchtigen St. Nicolai Kirche, vollendet Mitte des 14.Jh. Sie wurde errichtet von der wohlhabenden Bürgerschaft der selbstbewussten Hansestadt. Das Rathaus daneben im gotischen Stil, gebaut im 13.Jh., wird häufig als das schönste seiner Art Norddeutschlands bezeichnet, entstand auf dem Höhepunkt städtischer und hansischer Macht, mit Ziergiebeln, die besonders filigran wirken. Zahlreiche Um-und Anbauten erfolgten in späterer Zeit. Im Untergeschoß, mit mehreren Kreuzrippengewölben Schiffen konnten wir wohl den schönsten Weihnachtsmarkt unserer Tour bestaunen, es gab auch hier Heißgetränke und Gebäck, doch die Besonderheit bestand in den Kunstgewerbeständen mit den verschiedensten kreativen Produkten. Nach der Überquerung des schmalen Durchgangs war der Seiteneingang der St. Nicolaikirche erreicht, errichtet als dreischiffige Basilika mit reicher Ausstattung. Dort gab es ebenfalls einen kleinen Weihnachtsbasar. Nachmittags stand der Besuch des "Ozeaneum" an, eines der vielfältigsten Museen seiner Art. Mit einer guten Führung bewegten wir uns an den kleinen und besonders an dem großen Aquarium vorbei. Wenn der dickliche Hai gemächlich in kurzer Entfernung an der dicken Fensterscheibe entlang schwamm, wurden die besten Positionen für gute Fotos gesucht. Immerhin gab es in 50 Aquarien mehrere Tausend Fische ganz unterschiedlicher Arten zu bestaunen und auf dem Dach im Außenbereich auch noch die Pinguine, denen es bei diesem Wetter anscheinend gut gefiel. Ein Anblick dieses imposanten Stadtkomplexses von der Wasserseite könnte ein guter Vorschlag für die Zukunft sein.

Der direkte Weg zurück nach Warnemünde führte über die B 105.

Time is over - das Programm für Montag: Warnemünde-Wismar-Lübeck-Hamburg.

Alle Reisenden standen, wie gewohnt, mit gepackten Koffern, reisefertig am Bus. Auch auf die Frage, ob die Zimmerkarten zurückgegeben seien, erfolgte eine allseitige Bestätigung.

Das zeichnet erfahrene GeLH- Reisende aus!

Karl- Heinz fuhr über Bad Doberan, Heiligendamm und von Kühlungsborn über ein kleines Gebirge, die Diedrichshagener Berge, auf schmalen Straßen nach Wismar, wo uns die nächste Führung erwartete. Es ging am Wassertor (15.JH), über die Grube (ein im 13.JH. angelegter Wassergraben) entlang in die Heilig-Geist-Kirche, eine langgestreckte Saalkirche des ehemaligen Hospitals mit einer sehenswerten bemalten Holzbalkendecke auf den Medaillons alttestamentarischer Szenen zu sehen sind. Die im Krieg zerstörte Georgenkirche, mittlerweile wiederaufgebaut, dient der Kunst für Ausstellungen. Der Marktplatz mit seinen Gebäuden, die einst im Stil der holländischen Renaissance erbaut wurden, mit der einmaligen Wasserkunst, dem "Alter Schwede", mehreren Bürgerhäusern und dem Rathaus beindruckten uns sehr.

Lübeck erreichten wir vorwiegend auf Landstraßen, unser Ziel war der Marzipanspeicher. Wo früher Waren aller Art gelagert wurden, haben einfallsreiche Bäcker/ Konditoren zwei dieser Speicher hergerichtet, um uns Gästen den Umgang mit dem Marzipan näher zu bringen. Die Chefin demonstrierte fingerfertig mit Rohmasse, wie daraus hübsche Gegenstände geformt werden konnten. Im Anschluss bestand unsere Aufgabe darin, z.B. eine Rosenblüte kunstgerecht zu formen, meist mit gutem Erfolg-.

Im Café nebenan bestand die Belohnung in einem Kaffeegedeck mit großem Stück Marzipantorte.

Mein Fazit fällt besonders positiv aus, die nette Reisegruppe, die ausgewählte Reiseroute, Besuche einmaliger Städte mit besonders kostbaren, historischen und kunstgeschichtlichen Sehenswürdigkeiten, Schwerin, Güstrow, Warnemünde/Rostock, Stralsund, Wismar, Lübeck-Hamburg, dabei einige UNESCO- Kulturerbe Städte, gute Führungen sowie ein vorzügliches Gesamtkonzept.

Dank an alle!

Hans Grote

 

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