Wo bleibt unser Restmüll aus der schwarzen Tonne?

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Rund 350 Millionen Tonnen Restmüll fallen jährlich in Deutschland an.

Die Hamburger Stadtreinigung betreibt für die Entsorgung, d.h. der energetischen Müllverwertung, drei Müllverbrennungsanlagen für jährlich knapp 500.000 t. ungetrennten Restmüll der schwarzen Restmülltonnen.

17 technisch interessierten GeLH’er trafen sich zu einem spannenden Blick hinter die Kulissen der Anlage in der Müllverwertung Borsigstraße GmbH.

Detailliert und technisch versiert wurden uns die Funktionen und die Aufgaben der Anlage im Detail in Theorie und Praxis durch Herrn Block vorgestellt. Auch wurden uns viele Fragen bezüglich des Umgangs mit Müll beantwortet.

Da der Restmüll zu einem großen Teil aus brennbaren Material besteht hat es einem der Braunkohle vergleichbaren Heizwert. Die hier bei der Verbrennung entstehende Wärme wird zur Erzeugung von Dampf aus entsalztem Wasser genutzt (Wirkungsgrad 87%). Die Dampfmenge (abzüglich eines Anteils der Eigenstromerzeugung) wird dann in Form von Heizdampf über das Kraftwerk Tiefstack, zur Versorgung von 54.000 Haushalten mit Fernwärme, in das örtliche Fernwärmenetz eingespeist.

Die ebenfalls vorhandene zweite Linie, der Biomassenverwertung für Altholz und Holzabfälle, wird zur Erzeugung von überhitzten Dampf zur Produktion von 20 MW elektrischer Leistung mittels einer Kondensationsturbine genutzt, die in das Hamburger Stromnetz eingespeist wird. Bei Volllastbetrieb werden rund 20 Tonnen Holz pro Stunde verwertet.

Im praktischem Teil ging es als erstes zur Anlieferung des Restmülls, dem Abkippen in den riesigen Müllbunker. Hier wurde der Müll gemischt um einen einheitlichen Brennwert zu erhalten. Weiter kam der Müll dann in den Aufgabetrichter des Kessels. Ein Vorschubrost verteilt dann den Müll für die Verbrennung bei ca. 850 Grad. Die bei der Verbrennung nachbleibende Schlacke fällt in ein Wasserbad des Nachentschlackers und wird dann über ein Förderband in den Schlacke Bunker gebracht. Die Schlacke wird von Unverbranntem und Metallen automatisch getrennt. Die reine, aufbereitete Schlacke steht dann dem Straßenbau zur Verfügung. Des Weiteren wird auch die anfallende Salzsäure, Gips und Altmetalle verkauft, d. h. weiterverwendet.

Die bei der Verbrennung entstehenden Rauchgase werden durch diverse Filter und Einsprühen von Amoniakwasser von Schadstoffen befreit. Auch wird Brandkalk zur Säurebindung im Abgas eingesetzt. Die dabei genutzte Rauchgasreinigungstechnik ermöglicht eine Verwertung fast aller anfallenden Reststoffe und deren Rückführung in den Stoffkreislauf. Die anfallenden festen, nicht nutzbaren Bestandteile bei der Filterung werden zur Verfüllung der Stollen alter Bergwerke genutzt.

Eine sehr interessante, großvolumige Anlage, etwas staubig und mit viel Treppensteigen verbunden.

Danke an Hans für diesen lehrreichen Stadtgang.

G. Bloehs

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