Radreise Lüneburger Heide

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Die Lüneburger Heide ist zweifellos eine der schönsten norddeutschen Landschaften. Sie eignet sich hervorragend zum Wandern und – zumindest die Touristikinformationen empfehlen es – Radfahren. Zu etwa 60 % mag das stimmen. Aber wir hätten Hermann Löns genauer lesen sollen. Er war als Bewunderer der Heide u.a. ein leidenschaftlicher Jäger und Wanderer. Er fuhr aber niemals mit dem Rad durch die Lüneburger Heide. - Jetzt wissen wir warum!

Die vier Tage vom 18. bis 21. September in der Heide haben wir genossen. Unsere Heimstatt, das Hotel und Restaurant „Zur Grünen Eiche“ in Behringen lag zentral für unsere Touren und verwöhnte uns in jeder Beziehung.

Die Touren, vor allem in das Kerngebiet der Heide, waren z.T. eine große Herausforderung für die Teilnehmer, denn die ausgewiesenen Radrouten waren gemäß den Vorgaben der Naturschutzbehörde zum Wandern und Reiten bedeutend besser geeignet. Aber tapfer malträtierten wir unsere Drahtesel und genossen die schöne Natur und das zum Radeln ideale Wetter.

Am Ankunftstag ging es auf guten Straßen bergauf in das idyllische Dorf Döhle. Von hier starten viele Kutschfahrten durch die Heide. Nach einer Tortenpause erklommen wir die Anstiege bis kurz vor dem Wilseder Berg (169,2 m) und hatten hinter Wilsede einen tollen Blick in den Totengrund. Steil bergab ging es durch Heide und Wald zum verdienten Buffet im Hotel.

Der zweite Tag führte uns auf dem Wege nach Schneverdingen in Richtung Pietzmoor. Auf dem Wege dorthin begegneten wir einer jungen Hirtin mit einer schätzungsweise 70 Tiere starke Ziegenherde. Sie gab uns einen Einblick in ihre Arbeit und wir spürten, wie gern sie mit den Tieren zusammen ist.

Die Entstehung des Pietzmoors liegt 8.000 bis 10.000 Jahre zurück. Heute ist das Torfmoor noch 7,50 m mächtig und wächst ca. 1 mm pro Jahr. Auf einem 5 km langen Bohlenweg kann man das Moor durchwandern. Wir mussten leider umkehren und das Moor am nördlichen Rand umfahren.

Im weiten Bogen radelten wir durch die abwechslungsreiche Landschaft um Schneverdingen herum. Am Segelflugplatz Höpen, der gerade von einer großen Heidschnuckenherde lahmgelegt wurde, fuhren wir durch das Landschaftsschutzgebiet „Höpener Heide“ direkt zu einem idyllischen Café in der Nähe des Schneverdinger Heidegartens. Nach der Rast erfreuten wir uns an diesem wunderschön angelegten ganzjährigen Heidegarten, den ein aufwändig angelegtes Rondell schmückt, in dem rund 150.000 Gartenheidepflanzen wachsen. Von einer Aussichtsplattform konnten wir uns einen Überblick auf diese eindrucksvolle Pflanzenpracht verschaffen.

Der dritte Tag war mit 50,4 km die größte Herausforderung. Über Stock und Stein, aber auch guten Asphaltwegen/Straßen ging es dem Lauf der Luhe folgend nach Nordosten, um dann im großen Bogen wieder durch die eigentliche Heidelandschaft nach Egestorf zu fahren. Dort gab es die verdiente Rast bei Kaffee und Kuchen oder Torte. Am späten Nachmittag erreichten wir Behringen und freuten uns auf das abendliche gemeinsame Abendessen.

Der vierte und letzte Tag sollte mit nur 26 km vor unserer Rückreise Entspannung bringen. Ziel war ein ca. dreistündiger Aufenthalt in dem „Iserhatsche Heide-Kastell Montagnetto“. Auf dem Wege dorthin machten wir einen Stopp an der „Ole Kirk“ in Bispingen, einer Feldsteinkirche von 1353.  Weil die Gegend damals arm war und Ziegel zu teuer waren, erbaute man die Kirche mit Feldsteinen und Fachwerk.

Das „Gesamtkunstwerk Iserhatsche“ („Das Neuschwanstein des Nordens“, „Berg der Sammelleidenschaften“) ist ein eigenwilliges Produkt des Besitzers Uwe Schulz-Ebschbach. „Ein bisschen Barockschloss, ein bisschen Geisterbahn: In der Lüneburger Heide hat sich ein pensionierter Malermeister eine eigene Welt geschaffen,“ schrieb Sandra Danicke im Januar 2013 in der Wochenzeitschrift „Die Zeit“. Er ist bekannt als großzügiger Sponsor und krankhaft leidenschaftlicher Sammler.

Nach einem letzten Abschiedskaffee am Tütsberg kurz vor Behringen endeten nach 150 km vier erlebnisreiche Tage.

Ich möchte allen Teilnehmern für ihre Ausdauer und die gute Stimmung danken, die trotz einiger Strapazen bis zuletzt ungebrochen war. Ich denke, die herrliche Landschaft hat uns versöhnt.

Gisela & Klaus Petroff

 

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