Fleetfahrt und Stadtgang Stade

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Fleetfahrt und Stadtgang Stade

Los ging es diesmal mit einer 50-minütigen Fahrt mit dem Metronom von Hamburg nach Stade. Nach einem kurzen Fußweg vom Bahnhof kamen wir zum Anleger am Holzhafen, hier startete die einstündige, interessante Kahnfahrt mit dem Fleetkahn "August".

Bei den beiden in Stade vorhandenen Fleetkähnen (Nr.2 ist die Aurora) handelt es sich um Original-Spreewaldkähne mit Elektroantrieb. Die Namensgebung der Kähne wurde uns anhand der tragisch/pikanten Geschichte über die Nachkommen von General von Königsmark (1600-1663) nähergebracht.

Die wasserseitige Tour begann entlang der idyllischen Naturlandschaft, den Wallanlagen, Teil der ehemaligen Befestigungsanlagen aus der Schwedenzeit, auf dem fast die gesamte Altstadt umschließenden Burggraben.

Stade erlebte seine wirtschaftliche Blüte zwischen dem 11. und 14. Jahrhundert durch die exponierte Lage mit dem einzigen Naturhafen auf dem Wege von Hamburg nach Cuxhaven. Außerdem war es ein wichtiger Kreuzpunk der Handelsstraßen von Westen nach Osten (der Ochsenweg) und als Fährhafen zum gegenüberliegenden Itzehoe. Im 16. Jahrhundert verloren dann leider die Stader einen Teil des Elbhandels an Hamburg. Hamburg hat nur einen Hafen, Stade hatte damals bereits fünf Häfen.

Die geruhsame Fahrt mit vielen Erklärungen und Sonnenschein ging entlang sehr schöner, interessanter Stadtvillen zu einer kleinen Insel. 1662 wurden dort in der Schwedenzeit zwei Bastionen als Teil der Befestigungsanlagen errichtet. Aus dem Rest der Bastionen bzw. den späteren Bleichwiesen / Bleicher-Ravelin, wurde später die heutige Insel gebaut. 1910 errichtete dort auf dem Gelände der Stader Geschichts- und Heimatverein eines der heute ältesten Freilichtmuseen Deutschlands. Es zeigt anhand von historischen Bauern- und Werkshäusern sowie einer Mühle, wie die Menschen in der Region früher gelebt und gearbeitet haben.

Wieder am Anleger angelangt kamen wir dann zur ersten Pause, es ging unter dem Rathaus in den Ratskeller, dem ältesten Kellergewölbe Stades. Bei leckerem, selbstgebrauten Stader Bier (hell, rot oder dunkel) und gutem Essen hat sich dann die Gruppe gestärkt.

Nach der Pause kam dann die Besichtigung der historischen Altstadt auf Plattdeutsch mit einem Stadtführer in der hübschen Altländer Hochzeitstracht (Zylinder Hut, Jacke und Kniebundhose aus Samt, viele Silberknöpfe, bis zur Trauung schwarze Strümpfe, danach Tausch in weiße).

Als erstes ging es in die Kirche St. Cosmae et Damiani, ein einschiffiges Langhaus mit Holztonnengewölbe mit einem Barockhelm auf dem Verzierungsturm. Erwähnenswert sind der Gertruden Altar (um 1500) und die Huß/Schnittger Orgel (1668-1675).

Über die Hökerstraße ging es dann zum um 1668 errichteten Rathaus mit einer Renaissance-Fassade mit barocken Elementen, Sandsteinportal mit Handelsgott Merkur und dem schwedischen Königswappen und dem Stader Stadtwappen. An einem Modell in der Eingangshalle wurde uns die Geschichte Stades (schwedische und dänische Besetzung, großer Stadtbrand usw.) sowie die fünf Stader Stadtteile erklärt.

Weiter ging es zum Pferdemarkt mit dem Zeughaus aus dem 17. Jahrhundert, dem ehemaligen St. Georgs Stift, später Waffenarsenal der schwedischen Garnison und heute Touristeninformation.

Vorbei ging es nun an vielen interessanten Gebäuden aus verschiedenen Epochen und der Hallenkirche St. Wilhadi (14.Jahrhundert) zum alten Hansehafen. Ab dem 13. Jahrhundert segelten Stader Kaufleute vom Hafen über die Schwinge zur Elbe und von dort weiter nach Holland und Dänemark. Sehenswert war auch der alte Holzkran und der Schwedenspeicher, dem ehemaligen schwedischen Proviantspeicher, jetzt als Museum über die Schwedenzeit genutzt. Der Hafen wird über seine gesamte Länge von zwei Straßenzügen mit historischen, bis teilweise in das 15. Jahrhundert zurückreichenden Fachwerkhäusern eingerahmt.

Nach einem kurzen Weg bildete den Abschluss das Traufenhaus, einem Bürgerhaus aus 1590 mit 26 eindrucksvollen, geschnitzten Halbsonnen als Verzierung auf beiden Oberschossen der Fassade.

Zu einem netten, interessanten Stadtgang gehört auch der Besuch eines Cafés, diesmal war es das Altstadtcafé, einem gemütlichen Café in ersten Stock eines alten, wunderschönen, windschiefen Hökerhuses.

Mit einem starken Regenschauer und Blitz und Donner verabschiedete sich Stade und es ging mit der S-Bahn wieder zurück nach Hamburg.

G. Bloehs

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